Was wäre wenn?

Ego-Trip, Partnerschaft und “Generation Beziehungsunfähig”?

In diesem Jahr habe ich mich intensiv mit Selbstreflexion beschäftigt. Immer wieder habe ich mir meine „Baustellen“ bewusst gemacht und mich damit auseinandergesetzt. In solchen Momenten stelle ich mir manchmal vor, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich mich in bestimmten Situationen anders entschieden hätte.
Es ist wie eine Art Gedankenkonstrukt, bestehend aus diesen „was wäre wenn“ Fragen.

Ich werfe einen Blick auf mein Umfeld.

Sind wir uns ehrlich, keine Generation ist so selbstgefällig, egoistisch und ständig auf der Jagd nach Selbstoptimierung, wie unsere. Mit “uns” meine ich die sogenannten “Millennials“ oder „Generation Y“, wie auch immer man sie jetzt nennt. Stolz präsentieren wir uns auf Instagram und co., geben uns als unerreichbar, wollen um jeden Preis aus der Masse herausstechen.
Keine Generation zuvor, ist so zwanghaft in dem Bewusstsein aufgewachsen, etwas “besonderes” zu sein, oder sein zu müssen.

Im Dating-Leben ist das ein ständiges Spiel mit der Macht. Geschickt versuchen wir, dem anderen Bestätigung und Zuneigung zu entlocken, ohne uns selbst dabei zu verraten. Es ist, als bewege man sich auf Eis. Ein zu großer Schritt, eine zu schnelle Bewegung und es bricht ein. Die Mauern, das Kartenhaus, das man sich so mühsam aufgebaut hat, um möglichst lange interessant für sein Gegenüber zu bleiben. Das nächste Match wartet ja bereits. Dann heißt es eben, „diesmal keine Rose für dich“.
Dem Anderen das Gefühl geben, einen zwar in der Hand zu haben, ihm aber genauso schnell wieder entgleiten zu können, ja, darin sind wir Profis.
“Keine Zugeständnisse machen und bloß auf nichts einlassen”, das ist die Devise.

Dabei bin ich der Meinung, dass wir alles andere als Beziehungsunfähig sind. Wir sehnen uns doch nach nichts mehr, als Zuneigung und Liebe im klassischen Sinne. Einem Partner für’s Leben.
Es sind die hohen Ansprüche, die uns im Weg stehen. Diese gelten jedoch weniger dem Partner, sondern vielmehr der Beziehung selbst. Denn in Zeiten der Selbstoptimierung, darf die natürlich nicht weniger, als die Superlative der Liebe darstellen.

Früher war das Leben quasi vorgegeben: Erwachsen werden, Arbeit suchen, heiraten, Haus, Kinder, fertig. Heute wird uns ständig suggeriert, dass alles noch viel besser sein könnte: der Job, die Beziehung, das Leben und vor allem wir selbst.
Erst in der Perfektion endet es. Das Problem mit dem Perfekten ist jedoch, dass dieser Zustand unerreichbar ist.

In einer Beziehung geht es um eine gemeinsame Entwicklung, man bekommt sozusagen einen Spiegel vorgehalten, lernt sich selbst neu kennen. Man hat die Chance, sich durch die neue Sichtweise, als Mensch zu verbessern. Doch, wenn das eigene Ego so groß ist, dass es den Partner ausblendet, wird das schnell verdrängt. Das kleinste Problem und wir geben auf. „Es gibt jemanden, der besser zu mir passt“, reden wir uns ein. Doch das Ende von Verliebtheit, ist nicht gleich das Ende von Liebe, im Gegenteil, es ist erst der Anfang. Wenn wir uns aber immer nur auf uns beschränken, uns einreden, dass wir „sowieso gerade viel zu viel um die Ohren haben“ oder „zu beschäftigt mit uns selbst sind“, dann verpassen wir eben auch alles andere. Bleibt nur der Glaube daran, dass, wenn dann die „richtige“ Person kommt, das alles egal sein wird, aber Garantie gibt es dafür keine.

Wann also werden wir aufhören, anderen und vor allem uns selbst etwas vorzumachen? Wann werden wir wieder anfangen, zu uns und unseren Gefühlen zu stehen selbst, wenn wir damit riskieren, verletzt zu werden? Wann werden wir lernen zu schätzen, was wir haben und wer wir sind und uns mit all unseren Stärken und Schwächen akzeptieren? Wann werden wir verstehen, dass uns das Streben nach Perfektion, nicht glücklich macht?

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