Die Mauer in mir

Emotionale Intelligenz, Selbstschutz und Verhaltensmuster.

Wir alle kennen ihn, den Selbstschutz, der uns das ein oder andere Mal im Weg steht und uns einen Strich durch die Rechnung macht.
Aber warum das Ganze? Wie kommt es dazu? Was bedeutet “Selbstschutz” überhaupt?

Jeder von uns hat unterschiedliche Erfahrungen in seinem Leben gemacht. Logisch – sonst würden wir ja alle dasselbe Leben führen.
Aus diesen Erlebnissen nehmen wir viel Positives, aber auch einiges an “Negativem” mit. Allerdings verarbeitet unser Gehirn negative und positive Dinge auf unterschiedliche Art und Weise. Es versucht uns nämlich, mit Hilfe des Unterbewusstseins, vor negativen Erinnerungen zu schützen. Dieser Schutzmechanismus hilft uns im Laufe unseres Lebens jedoch nur begrenzt und anstrengend wird es vor allem dann, wenn wir ihn nicht als solchen erkennen.

Manches ist uns vielleicht von der Kindheit noch in Erinnerung geblieben. Da nehmen wir natürlich völlig andere Dinge als “schlimm” wahr, doch das Gefühl an sich verändert sich mit dem Alter nicht.
Dieses Unbehagen, ein Stich in der Brust, ein flaues Gefühl im Magen, Traurigkeit, Angst,…
Die Eltern sind bei allem Vorbild Nummer eins. Ein Kind sieht also, wie diese miteinander interagieren, ob überhaupt beide da, oder FÜR ES DA sind. Da die Eltern (normalerweise) auch lange Zeit die einzigen richtigen Bezugspersonen sind, nimmt es alles für bar und fängt an, zu adaptieren.
Das Kind beobachtet nun seine Eltern und denkt sich beispielsweise: “DAS IST LIEBE.”
Muss es sein, denn eine Alternative kennt es noch nicht.

Anderes wiederum prägt uns erst später.
Die erste Liebe, zum Beispiel.
Wie ist diese Beziehung verlaufen, wie war die Kommunikation, wie der Umgang miteinander, welche Probleme oder Schwierigkeiten gab es, wie war die Trennung, warum,…
Jemanden gehen zu lassen, also aufzugeben, tut weh. Es ist fast vergleichbar mit einer Trennung durch den Tod. Nichts ist mehr so, wie es mal war.
Das ist, gerade bei der ersten großen Liebe, ganz klar, ein prägendes Erlebnis.

Grundsätzlich nehmen wir “bedrohliche” Ereignisse als eine Art “Angriff” wahr, den wir “abwehren” müssen.
Wir handeln und lösen damit wiederum Gefühle beim anderen aus. Derjenige verbindet diese dann unbewusst vielleicht auch mit einem früheren Erlebnis.
Das ist einleuchtend und auch keineswegs schlimm, solange diese Person das Erlebnis als dieses erkennt und die Situation nicht als Bedrohung ansieht. Denn sonst führt genau das, eben sehr oft zu Missverständnissen, schlimmen Auseinandersetzungen, Trennungen und so weiter.

Ich befasse mich nun seit einiger Zeit mit meiner eigenen “Lebensgeschichte”.
Einfach, um besser über mich Bescheid zu wissen.
Klingt komisch, ist aber so.
Auch das ist, wie irgendwie alles im Leben, ein Prozess.
Immer wieder mal reflektiere und analysiere ich mein Verhalten. Anhand dessen, kann ich Muster erkennen und meine Schlüsse ziehen.
Eine wichtige Frage: “Warum reagiere ich in gewissen Situationen immer oder meistens SO?”

Ich habe bemerkt, dass ich oft ein Gefühl verwende, um ein anderes nicht fühlen zu müssen.
Ich kann auch leugnen, überhaupt etwas zu fühlen.
Außerdem vermeide ich unangenehme Gefühle, durch Rückzug in meine Gedanken.
Allgemein denke ich, dass wir uns alle viel zu sehr darauf konzentrieren, wie wir nach außen hin wirken.
Es ist ähnlich, wie das “Katz und Maus – Spiel” am Beginn einer potentiellen Partnerschaft.
Wir fühlen das eine, denken das andere und die Handlung sieht wieder völlig anders aus. Wir geben gerade so viel von uns preis, dass es spannend bleibt und der andere nur einen Bruchteil, ein kleines Stück, vom großen Ganzen kennt.
Eine gute Taktik, denn, wenn wir uns nie völlig offenbaren, ist das Risiko verletzt oder enttäuscht zu werden, relativ gering.
Das Gegenüber kennt uns ja überhaupt nicht richtig.
Bei genauerer Betrachtung, ist diese Masche jedoch nicht besonders klug, denn das macht es unseren Mitmenschen sehr schwer, unsere Handlungen oder Aussagen nachzuvollziehen. Die wissen schließlich nicht, wie es wirklich in uns aussieht. Ständig werden wir dann falsch eingeschätzt oder missverstanden und irgendwie verlieren wir, durch diese defensiven Taktiken, auch den Kontakt zu uns selbst. Wir kennen uns nicht mehr richtig, sind uns nicht bewusst, warum genau wir was tun.
Diese Art des Selbstschutzes macht es uns unmöglich, mit tieferen Gefühlen umzugehen, da wir ständig nur oberflächliche zulassen.
So sollte das doch nicht sein.

Ich finde, es ist Zeit, die Fassaden fallen zu lassen und einfach wir selbst zu sein.
Versuchen wir es zumindest!
Manch einer wird uns dann vielleicht als naiv bezeichnen, aber lieber naiv, als sich ein Leben lang zu verstellen, oder?

Natürlich ist das keine Garantie für ein glückliches Leben und, wie wir alle wissen: schlauer ist man immer erst im Nachhinein.
Aber, wie meine Oma sagen würde:

“Hüft’s nix, schodt’s nix.”

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