Wann bin ich endlich schön?

Selbstliebe, Schönheitsideale, “Body Shaming” und meine persönliche Erfahrung damit.

Begonnen hat alles ungefähr vor sieben Jahren.
Wenn man sich so langsam vom Kind zum Erwachsenen entwickelt, fallen einem plötzlich Dinge auf, die davor völlig belanglos waren. Ein Fettröllchen dort, eines da, die Nase zu groß, die Lippen zu schmal und erst die unreine Haut, so kann man doch nicht vor die Türe gehen.
Nun fängt man an, sich zu vergleichen.
Was haben die anderen, das ich nicht habe?
Vielleicht die perfekte Figur, schöne Haut, strahlende Augen,…?
(Ich habe sie immer gehasst, diese Menschen, die einfach nicht zunehmen.)
Unfair.
Das möchte man auch.
Also was tun?
Handeln natürlich.
Und zwar sofort.

Baustelle Nummer eins: das Gewicht.
Man beginnt zu hungern.
(In meinem Fall hieß das: Montag-Freitag wird nichts gegessen. Am Wochenende gerade so viel, dass es nicht auffällt.)
Ziel wird erreicht.
Gewichtsverlust.
Das natürlich in kürzester Zeit.
Denn – je schneller, desto besser.
Warnsignale des Körpers, wie rasende Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden und sogar das Ausbleiben der Menstruation werden beiseite geschoben und völlig missachtet.
Ist doch alles nicht so schlimm, wenn es dem Zweck dient, oder?
Man hungert also weiter.
Das Wichtigste dabei: mehrmals täglich Spiegel- und Waagen Checks.
Der Fortschritt muss ja schließlich genauestens verfolgt werden.
Irgendwann lässt dann auch das Hungergefühl nach – läuft also alles nach Plan.
Dass das Aufstehen von Tag zu Tag anstrengender wird, man sich aus dem Bett quält, immer etwas schwächer als am Tag zuvor, dass die einst so strahlende Haut, ganz fahl und blass wird, ist halb so wild.
Zu dick ist man wohl immer noch.
Oder?
Die Spiegel verwirren.
In jedem sieht man irgendwie anders aus.
Was ist nun die tatsächliche Figur?
Zum Verzweifeln ist das.

Irgendwann merkt dann auch die Familie, dass etwas nicht in Ordnung ist und zwingt einen mehr oder weniger dazu, damit aufzuhören.
Doch einfacher gesagt, als getan, denn von denen lässt man sich schon gar nichts sagen.
(Glücklicherweise waren meine Eltern da sehr hartnäckig und somit mein Weg auch leichter, als für viele andere, die sich noch viel viel tiefer in diesem “Wahn” befinden.)
Man fängt also langsam an, sein Essverhalten wieder etwas zu “normalisieren”.
Kohlenhydrate werden natürlich zur Gänze ausgelassen, die sind ja schließlich Gift.
Und sie ist noch da.
Die Angst vor Gewichtszunahme.
Die Angst, wieder wie früher auszusehen.

Also beginnt man mit Sport.
Sozusagen als “Ausgleich”. Dann hat man sich das Essen ja “verdient” und außerdem “abtrainiert”.
Kalorien werden auch brav getrackt, damit man immer im Defizit bleibt und nicht versehentlich mal zu viel erwischt. “Da würde doch die Welt nicht untergehen.”, meint ihr? Oh doch, klar würde sie das! Denn so schnell kann man gar nicht schauen, haben sich die Fettpolster schon wieder angelegt. Zumindest sagt das, das verzerrte Bild, das man von sich selbst hat.
Sport bedeutete für mich, Training jeden Tag und zwar drei bis vier Stunden. Das beinhaltete ein bis zwei mal laufen pro Tag und die restliche Zeit wurden Home Workouts betrieben.
Natürlich gab es, genau wie bei der Ernährung, auch hier einen strickten Plan, an den es sich zu halten galt.
Regelverstoß? – Ein absolutes No Go!
So schlitterte ich dann, mehr oder weniger, von einem “Zwang” zum nächsten.

Irgendwann in dieser ganzen Zeit, in der ich zwar viel über mich lernen konnte, aber die mich oft so unglücklich und unzufrieden gemacht hat, wurde mir klar:

Ich bin mehr, als nur mein Körper.
Ich bin mehr, als meine äußere Hülle.
Ich bin mehr, als ich scheine.

Man sagt doch auch nicht: “Ich bin meine Kleidung.” Und hängt sich in den Kasten.

Viel mehr geht es um Ausstrahlung, um Authentizität, darum, wie man sich repräsentiert.

Daher rate ich allen, die sich am selben Punkt befinden, wie ich damals: “Verabschiede dich von dem Schönheitsideal, das uns ständig von Social Media und Magazinen vorgegaukelt wird!”
Es ist ein Teufelskreis, denn hat man erst das eine erreicht, will man schon das nächste. Ein ständiges Streben nach Perfektion. Die eine quälende Frage: “Werde ich JEMALS genug sein?”, ist allgegenwertig.
Deshalb weiß ich, das Ganze aufzugeben und loszulassen, ist so viel leichter gesagt, als getan. Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich nicht auch jetzt noch sehr auf mein Äußeres achte und genauso, oft unzufrieden bin mir bin. Es ist eben ein Prozess.
Doch ich habe mit Sicherheit gelernt, damit umzugehen und verstanden, um was es eigentlich geht.

NIEMAND IST PERFEKT.
Gerade in Zeiten, wie diesen, muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass die Welt auf Instagram und co. nicht real ist. Es tut einem nicht gut, sich mit jemandem zu vergleichen, der womöglich genau dieselben Zweifel hegt, wie man selbst.

Also gehe in dich und überlege oder schreibe dir auf: “Was mag ich an mir? Was schätzen andere an mir? An mir ALS PERSON, nicht an meinem Körper.”
Jeder, der Zufriedenheit und Freude ausstrahlt, zieht das auch an.
Die Menschen begegnen einem ganz anders und auch man selbst begegnet den Menschen anders, wenn man erst gelernt hat, sich selbst zu lieben.

One thought on “Wann bin ich endlich schön?

  1. Frieda, nicht mehr friedlich says:

    Sehr interessant was du schreibst, ich hatte auch keinen Hunger mehr. Es war ein schleichender Prozess, ich konnte nichts essen, über längere Zeit, bekam die Quittung, und zwar eine Herzerkrankung nahm in der Klinik jeden Tag ab
    War bei 48 Kilo. Ich hatte Todesangst. Keiner hat das vorher bemerkt, ich auch nicht.

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